{"id":8607,"date":"2024-04-29T09:06:53","date_gmt":"2024-04-29T07:06:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/?page_id=8607"},"modified":"2024-11-14T09:02:54","modified_gmt":"2024-11-14T08:02:54","slug":"iuppiter-dolichenus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/tr\/duluk-baba-tepesi-projesi\/iuppiter-dolichenus\/","title":{"rendered":"Iuppiter Dolichenus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Iuppiter Dolichenus, Zeus Dolichaios, Hadad, Baal: Der h\u00f6chste Gott von Doliche, einer antiken Stadt in der der heutigen S\u00fcdostt\u00fcrkei, ist im 2. Jh. n. Chr. unter verschiedenen Namen verehrt worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-f56f613f wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Lambaesis, einem Kastell in Libyen, Nordafrika, weiht der r\u00f6mische Offizier Sextus Iulius Maior im Jahr 125\/126 n. Chr. einen Tempel f\u00fcr Iuppiter Dolichenus. Dies ist der erste Beleg f\u00fcr die Verehrung des Gottes au\u00dferhalb Doliches. Nur 50 Jahre sp\u00e4ter treffen wir Dolichenus dann an vielen Orten des r\u00f6mischen Reiches, vor allem an den Grenzen des Reiches, am Hadrianswall in England, entlang des Rheins und der Donau, in Rum\u00e4nien und auf der Krim. Als \u201ebesten und gr\u00f6\u00dften Iupiter aus Doliche (Iuppiter Optimus Maximus Dolichenus)\u201c rufen ihn seine Verehrer, die h\u00e4ufig Soldaten sind, an. Zahlreiche Tempel, Alt\u00e4re und Reliefs werden ihm um 200 n. Chr. geweiht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum sich der Kult deses Gottes, nachdem er viele hundert Jahre nur in Doliche verehrt wurde, innerhalb kurzer Zeit im ganzen r\u00f6mischen Reich verbreitete, bleibt r\u00e4tselhaft. Klar ist nur, dass r\u00f6mische Soldaten, die in Syrien und Mesopotamien, an der Ostgrenze des Reiches, eingesetzt wurden, dort mit dem Gott in Kontakt kamen. Als Herrscher der Welt mit kriegerischen wie auch lebenspendenden Aspekten scheint er f\u00fcr sie besonders attraktiv gewesen zu sein. Daher trugen die Soldaten, wenn sie von Eins\u00e4tzen in Syrien zur\u00fcckkehrten, die Verehrung des Gottes aus Doliche in ihre alten Lager oder in ihre neuen Einsatzorte. Dort lernte auch die Zivilbev\u00f6lkerung den Gott kennen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"316\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/wp-content\/uploads\/Iuppi-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6467\" srcset=\"https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/wp-content\/uploads\/Iuppi-1.jpg 316w, https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/wp-content\/uploads\/Iuppi-1-158x300.jpg 158w\" sizes=\"auto, (max-width: 316px) 100vw, 316px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Statuette aus Mauer an der Url<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"578\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/wp-content\/uploads\/iuppi-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6470\" srcset=\"https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/wp-content\/uploads\/iuppi-2.jpg 578w, https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/wp-content\/uploads\/iuppi-2-289x300.jpg 289w\" sizes=\"auto, (max-width: 578px) 100vw, 578px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Applik aus dem Heiligtum von Doliche<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Aufbl\u00fchen des Kultes fiel in eine Zeit, in der sich auch andere Religionen orientalischen Ursprungs schnell und weit verbreiteten, z. B.&nbsp; Isis, Mithras oder auch das Christentum. Trotz gro\u00dfer Unterschiede zwischen diesen Religionen war ihnen gemeinsam, dass sie einem gewandelten religi\u00f6sen Empfinden der Menschen entgegen kamen. Sie integrierten ihre Anh\u00e4nger durch eine starke gemeinschaftliche Bindung, durch geheimes Wissen, das nur Eingeweihten vertraut war, und eine an dieses Wissen gebundene Aussicht auf eine gute Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Verbreitung des Gottes wandelte sich auch dessen Darstellung. Er passte sein Aussehen den neuen Zeiten an. Zwar stand er weiter auf einem Stier, hielt Axt und Blitz, doch trug er nun die Kleidung r\u00f6mischer Offiziere mit kurzer Tunika und Panzer. Alte orientalische Elemente wie die H\u00f6rnerkrone oder der lange Zopf, die auf der Stele von Doliche sichtbar sind, waren f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen im Westen des Reiches unverst\u00e4ndlich und fielen weg. Die neue Bildsprache pr\u00e4sentierte den Gott zwar deutlich erkennbar und bewusst als \u201eorientalisch\u201c, tat dies jedoch auf eine Weise, die den Menschen im Westen des Reiches vertraut war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese neue Bildsprache war auch in Doliche selbst verbreitet. Eine 2009 im Heiligtum gefundene Bronzeapplik zeigt den Gott in der westlich beeinflussten Tracht. Dieses Bildnis unterscheidet sich deutlich von der Stele in altorientalischer Tradition. Hier treffen anschaulich zwei Ebenen aufeinander: Lokaltkult und Reichsreligion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der 2. H\u00e4lfte des 3. Jh. n. Chr. werden die Zeugnisse f\u00fcr die Verehrung des Gottes immer weniger. In dieser Zeit wird zudem das Heiligtum von Doliche durch die Perser zerst\u00f6rt. Das Christentum dr\u00e4ngt schlie\u00dflich alle anderen Religionen zur\u00fcck. Nur noch wenige Weihungen an den Gott stammen aus dem 4. Jh. n. Chr. In dieser Zeit etabliert sich das Christentum auch im Heiligtum von Doliche.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Steele von Doliche<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 18.09.2007 wurde eine Basaltstele mit der ersten Darstellung des Gottes von Doliche und seiner Partnerin aus dem Heiligtum von Doliche entdeckt. Wie kein anderer Fund gibt sie Auskunft \u00fcber das den Charakter des G\u00f6tterpaares und die Vorstellungen, die den Glauben der Menschen pr\u00e4gten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-f56f613f wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-f56f613f wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-f56f613f wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"316\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/wp-content\/uploads\/Steele-Doli-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6480\" srcset=\"https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/wp-content\/uploads\/Steele-Doli-1.jpg 316w, https:\/\/www.doliche.uni-muenster.de\/wp-content\/uploads\/Steele-Doli-1-158x300.jpg 158w\" sizes=\"auto, (max-width: 316px) 100vw, 316px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stele ist in zwei Felder geteilt: Die obere Zone zeigt die Welt der G\u00f6tter, die kleinere untere Zone hingegen die der Menschen. Zwei M\u00e4nner stehen um einen Altar und opfern. Auf dem Kopf tragen sie spitze hohe H\u00fcte, in der linken Hand halten sie einen Zweig. Diese sind typische Merkmale von Priestern im antiken Syrien. So sind z. B. ganz \u00e4hnliche Bilder von Priestern aus dem Heiligtum der Gro\u00dfen Syrischen G\u00f6ttin von Hierapolis, 80 km s\u00fcd\u00f6stlich von Doliche, \u00fcberliefert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der oberen Zone steht links Iuppiter Dolichenus auf einem Stier. Bekleidet ist er mit einem knielangen Schurz mit Fransenborte. An einem breiten G\u00fcrtel h\u00e4ngt ein Schwert. Der Gott tr\u00e4gt einen langen spitzen Bart, der weit auf die Brust herabf\u00e4llt. Den Kopf bedeckt eine hohe Kappe, die mit kleinen H\u00f6rnerpaaren geschm\u00fcckt ist. Das lange Haupthaar f\u00e4llt zum Zopf geflochten in den R\u00fccken hinab und rollt sich am Ende ein. In der vorgestreckten Linken h\u00e4lt der Gott ein Blitzb\u00fcndel. Die Blitze sind als m\u00e4chtige Waffen und als Zeichen der Herrschaft \u00fcber das Wetter zu sehen. In der erhobenen Rechten h\u00e4lt der Gott eine Doppelaxt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Darstellung des Gottes folgt einem bekannten Muster, das seit dem 3. Jt. v. Chr. f\u00fcr viele Wettergottheiten des Nahen Ostens \u00fcblich war. Dies wird z. B. im Vergleich mit einer der Wettergottstelen aus Tell Ahmar (9. Jh. v. Chr.) deutlich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die weibliche G\u00f6ttin, als Iuno Regina bekannt, steht rechts vom Gott auf einem Hirsch. Ihr kn\u00f6chellanges Gewand wird von einem sehr breiten, aus vier Reifen gebildeten G\u00fcrtel gehalten ist. Ein Mantel f\u00e4llt \u00fcber die linke Schulter herab. Teile des Hinterkopfes sind verloren. Sie tr\u00e4gt eine quadratische Kappe (Polos). Das lange Haar f\u00e4llt im Nacken herab. In ihrer rechten Hand h\u00e4lt sie einen runden Spiegel, ein typisches Attribut von G\u00f6ttinnen, genauso wie Granatapfel in der Linken, Symbol der Fruchtbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Iuppiter Dolichenus ist auch Iuno auf der Stele nicht von Darstellungen von G\u00f6ttinnen aus viel fr\u00fcherer Zeit zu unterscheiden. Man vergleiche sie etwa mit einer Stele der Kubaba aus Nordsyrien im British Museum (9. Jh. v. Chr.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen den G\u00f6ttern ist ein stilisierter Lebensbaum zu sehen, der genauso wie die Trauben am oberen Bildrand die lebenspendende Kraft der G\u00f6tter ausdr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wann wurde die Stele angefertigt? Trotz der altert\u00fcmlichen Darstellung ist sie erst in hellenistisch-r\u00f6mischer Zeit entstanden. Das ist vor allem an der Opferszene zu erkennen, etwa an der Form des Altars. Gleichzeitig zeigt die Stele, wie stark auch in dieser Zeit noch die Gottesvorstellung in der altorientalischen Vorstellung verwurzelt ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Iuppiter Dolichenus, Zeus Dolichaios, Hadad, Baal: Der h\u00f6chste Gott von Doliche, einer antiken Stadt in der der heutigen S\u00fcdostt\u00fcrkei, ist im 2. Jh. n. Chr. unter verschiedenen Namen verehrt worden. In Lambaesis, einem Kastell in Libyen, Nordafrika, weiht der r\u00f6mische Offizier Sextus Iulius Maior im Jahr 125\/126 n. Chr. einen Tempel f\u00fcr Iuppiter Dolichenus. 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